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Berichte von der TZI-Werkstatt der Sachsen in Meißen (02.10.21)

So ungefähr muss sich das Aufwachen nach dem Winterschlaf anfühlen, dabei steht der Winter erst noch bevor…


Bericht von Regine Wolff

Was hat uns gelockt, werden wir gefragt.

Mich hat das Thema gelockt: „Das Dramadreieck verlassen“. Wer hat sich nicht schon in einer Kommunikationssituation gefangen gefühlt, z. B. als Opfer, als Retter auch. Ausbrechen, heraus finden aus Mustern und geistiger Einengung. Der Globe ist uns schon mal gewogen. Wir sind im Remter, die Türen lassen sich ins Außen öffnen, die Sonne scheint und die Luft ist frisch.

Gelockt hat mich auch, dass Claudia König und Peter Vogel das Thema leiten werden. Es verspricht mir etwas Vertrautes, Beständiges, Verlässliches angesichts der Unbill, die der Alltag mir momentan oft vermittelt.

Und verlockend ist es natürlich immer, vertraute Bekannte wieder zu treffen, Menschen neu kennenzulernen, Fäden wieder aufzunehmen oder neu zu spinnen. Diesmal ist etwas anders. Menschen, die TZI in Sachsen leben, treffen sich nicht mehr in privaten Räumen (und die FH Moritzburg als Interimslösung war das ja irgendwie auch…). Aus dem „Sachsentreffen“ ist eine „TZI-Werkstatt“ geworden, ein Öffnen in ein „Außen“ scheint damit stattgefunden zu haben, neue Gesichter unter bekannten in der größeren Runde, Gäste aus Brandenburg und Thüringen sind dabei und Andrea Simon vom Vorstand aus Berlin.

Zunächst schlüpfen wir in die jeweiligen Rollen und laufen uns an der frischen Luft in ihnen und mit ihnen warm, loten aus, wer wir in dieser Rolle sind und in welcher Beziehung wir zu ihr stehen.
Das bringt die ersten erhellenden Erkenntnisse, die wir miteinander teilen…

Claudia moderiert nun zum Modell vom „Drama-Dreieck“ von Stephen Karpman kurz an, bevor sie uns ins erfahrungsbezogene Lernen schickt. Sie stellt die Verbindung her mit uns bekannten Rollen: dem Opfer wahlweise der Prinzessin, dem Verfolger wahlweise Hexe oder Wolf und dem Retter wahlweise dem Prinzen.
Im Freien probieren wir uns in Kleingruppen pantomimisch und in wechselnden Rollen aus, nehmen uns und den jeweils Anderen in der Interaktion wahr, sind auch mal Beobachter des Rollenspiels. In der Kleingruppe und im Plenum tauschen wir uns zu unseren Erfahrungen aus. Spätestens jetzt ist uns präsent, dass auch die Täter-Rolle zu uns gehört. Dabei haben wir bemerkt, dass es DIE Rolle so nicht zu geben scheint, Facetten und Übergänge existieren, die jeder Mensch anders ausgestaltet, dass Rollen zugeschrieben werden, Gewinn bringen auch, zu fragen ist, was hinter einem Verhalten liegt, Deutungen aufs Glatteis und zu Missverständnissen führen. Und woher kommt eigentlich die Dynamik? Und: Kann man „aussteigen“?

Nach der Mittagspause gibt Claudia einen Input zum Thema. Sie stellt die Verbindung her zwischen dem Drama-Dreieck bzw. der Transaktionsanalyse einerseits und der Themenzentrierten Interaktion, der Chairperson beispielsweise andererseits. Damit werden Auswege aus der Dynamik einer Kommunikationssituation möglich. Das Erwachsenen-Ich übernimmt als Chairperson Verantwortung für sich und die Situation. Es kann den Beteiligten andere Rollen anbieten bzw. die „alten“ Rollen konstruktiv wandeln.

Das probieren wir wieder in Kleingruppen anhand vorgestellter, konkreter Situationen aus. Welche Interventionen sind hilfreich, damit Retter, Täter und Opfer aus ihrer Rolle kommen können?
Im Plenum tragen wir unser Erfahrungen, unsere persönlichen Erkenntnisse zusammen.
Sind das tatsächlich wirksame Rezepte, wird gefragt. Wir werden es ausprobieren, neue Erfahrungen machen, erneut reflektieren, eventuell „nachjustieren“, ausprobieren, Erfahrungen machen, reflektieren….. lebenslanges Lernen eben.

Wir bedanken uns für die Fülle des Tages, für Begegnungen, Gedanken und Erfahrungen.
Mit einem reichhaltigen Ertrag fahre ich nach Hause. Am Tag darauf ist bei uns Erntedankfest.

Regine Wolff

 


Bericht von Andrea Simon

Meißen ist für Berliner und Berlinerinnen immer eine Reise wert - besonders, wenn die TZI-Werkstatt mit einem reizvollen Thema lockt. Diesmal: ‚Das Drama-Dreieck verlassen‘.

Die TZI-Werkstatt, initiiert von Peter Vogel, dem langjährigen Leiter der evangelischen Akademie Meißen, ist ein eintägiges Veranstaltungsformat, das in Kooperation zwischen dem ‚Ruth Cohn Institut Berlin Deutschland Ost‘ und der ‚Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen‘ durchgeführt wird – am 2. Oktober 2021 zum ersten Mal in Präsenz.
Das lockte offenbar nicht nur mich: 25 Personen kamen für sechs Stunden zusammen, um sich an diesem goldenen warmen Oktobertag miteinander und mit dem Thema zu verbinden. Claudia König leitete die Werkstatt zusammen mit Peter Vogel – fachkompetent, humorvoll und zugewandt. Und es gelang den beiden sehr gut, das komplexe Modell der Transaktionsanalyse so weit zu reduzieren, dass wir es in der vorgesehenen Zeit nicht nur gedanklich nachvollziehen, sondern auch am eigenen Leib erfahren und auf alltägliches Verhalten anwenden konnten (Regine Wolff hat das in ihren Gedanken zur Werkstatt sehr anschaulich beschrieben).

‚Verbinden‘ ist das Wort, das mir sofort in den Sinn kommt, wenn ich an die Werkstatt zurückdenke Verbinden: Die TZI mit der Transaktionsanalyse (beiden wohnt der Gedanke der Selbstverantwortung und Selbstleitung inne); Menschen mit unterschiedlichem TZI-Bezug (alte Häs*innen waren ebenso willkommen wie TZI-Neulinge); Menschen mit unterschiedlichen Berufserfahrungen und Lebensbezügen; Menschen aus unterschiedlichen RCI-Regionen (auch wenn die Sachsen mit Abstand die größte Gruppe ausmachten und ich kaum jemanden kannte, fühlte ich mich ‚zuhause‘).

Die Werkstatt beginnt um 10 und endet um 16 Uhr, so dass auch ‚Zugereiste‘ es an einem Tag hin- und zurück schaffen können. Von Berlin schafft man es mit dem Zug um 6 Uhr in der Frühe. ‚Der frühe Vogel kann mich mal‘, dachte ich und reiste gemütlich am Nachmittag zuvor an. Eine gute Entscheidung, denn auch die Übernachtung im St. Afra Kloster und ein Stadtbummel durch Meißen sind immer eine Reise wert.

 


 

Übrigens: Die nächsten TZI-Werkstätten sind schon in Planung. Sie sollen am 30. April und am 15. Oktober 2022 stattfinden; und am 13. Mai und am 21. Oktober 2023. Im April wird das Thema „WILL (m)ich Basisdemokratie?“ lauten. Bitte vormerken.

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