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Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen

Eindrücke von der TZI-Werstatt in Sachsen

Dreimal mussten wir unser informelles, TZI-Sachsentreffen wegen Corona in den letzten Jahren absagen. Jetzt haben wir ganz neu begonnen: Jeweils im Frühjahr und im Herbst werden wir künftig an einem Sonnabend nach Meißen in den Klosterhof St. Afra einladen. Die Evangelische Erwachsenenbildung Sachsen (EEB) als verlässlicher Kooperationspartner übernimmt die Organisation im neuen Format als „TZI-Werkstatt“. Sie ist geplant als ein Dach, unter dem sich TZI- Leute treffen können zu Begegnung, Bildung und Beratung.

Als Start hatten wir zum 10. April zur ersten Werkstatt nach Meißen eingeladen. Weil bei TZI Anfänge in Gruppen besonders bedacht werden, fanden wir deshalb als passendes Thema: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“ (Nicht Ruth Cohn, aber immerhin Aristoteles soll das gesagt haben!)

Als alle Planung fertig war und es schon eine Warteliste gab, kam die Corona-Absage: Keine Präsenz- Veranstaltungen! – Jemand hatte die Idee, auf eine Zoom-Konferenz umzustellen. Aber geht das? Anfänge erleben, beraten, bedenken am heimischen Computer? - Peter war skeptisch, aber Claudia, die Seminare mit Selbsterfahrungsanteilen in der Form schon erlebt hatte, suchte – und fand unter den sächsischen TZI-Leuten den mit Zoom-Konferenzen erfahrenen Michael Glanz, der sich zwar als Teilnehmer angemeldet hatte, nun aber dankenswerter Weise darauf verzichtete und sich als Host zur Verfügung stellte. Die EEB öffnete uns den Zugang zu allen Zoom-Möglichkeiten. Kristin Thöring organisierte eine Vorbesprechung, um Claudia und Michael bei der Umstellung auf eine digitale Version zu unterstützen, rechnete Tagungsgelder zurück, kopierte geänderte Ablauf-Pläne und lud zu anderen Bedingungen neu ein. So fand unsere erste TZI-Werkstatt am 10. April zugleich als erste Zoom-Veranstaltung statt.

17 Personen hatten sich dazu angemeldet. Manche hatte das Thema gelockt, andere wollten erleben, wie TZI und Zoom zusammen passen. Viele hatten nach der langen lähmenden Zeit einfach auch Sehnsucht nach TZI-Bekannten. Und für uns alle war es ein spannendes Experiment.

Unsere Themen und Erfahrungen an diesem Tag hätten Aristoteles sicher gefreut:

Was bewirkt es, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Beginn dem Wunsch und der Zusage Raum geben „Achte mich und lasse mich. - ... - Ich achte dich und ich lasse dich“? Danach haben wir gemalt und fantasiert: Wenn ein Anfang wie das Durchschreiten einer Tür ist – wie sieht meine Anfangs-Tür aus und mit welchen Gefühlen und Erwartungen öffne ich sie? Nach der Mittagspause konnten wir sogar zur Ermunterung unseren dunklen Erfahrungen und Fantasien freien Lauf lassen bei dem Thema: „Wie vergeige ich einen Anfang?“ Wirklich: Wie schaffe ich es, dass nach dem Beginn die Anwesenden davonlaufen, blockiert sind oder schreien? - Aristoteles hätte mit seiner Logik sofort gewusst: Das Gegenteil des Schlechten ist das Gute. Also stellten wir im Anschluss das Misslungene auf den Kopf – und erkannten dann, was zum guten Anfang helfen kann! Ein Arbeitspapier gab es zum Schluss: „Anfänge in Gruppen - worauf kommt es an, wenn ich in der Leitung bin?“ Darin geht es um Weichen, die in Anfängen gestellt werden, um die Macht der Leitung oder auch um den Gebrauch eines Hackklotzes in TZI-Gruppen. (Wen das Thema interessiert – dieses Arbeitspapier lässt sich hier aufrufen.)

Und das Ganze digital? Es ging viel besser, als wir alle vermutet hatten. Im Plenum und in verschiedenen Kleingruppen konnten wir gut thematisch arbeiten – auch, weil unser Host im Hintergrund die Fäden fest in der Hand hielt. Trotzdem sehnten wir uns nach richtigen Begegnungen, den kleinen Gesprächen beim Mittagessen, nach Erfahrungstausch zwischendurch und Umarmungen.

Am Ende fanden sich aus unserer Runde genügend Themenvorschläge und Planungsduos für die TZI- Werkstatt-Tage 2022 und 2023. Die nächsten Termine stehen schon fest: der 2. Oktober in diesem Jahr, zum Thema: „Das Drama-Dreieck verlassen - Ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung“, noch einmal mit Claudia König und Peter Vogel in der Leitung, sowie der 30. April und 15. Oktober 2022, mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die im Leiten Erfahrungen sammeln wollen. Hoffentlich finden wir uns dazu leibhaftig in Meißen wieder!

Peter Vogel und Claudia König

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