News

Leben in unruhigen Zeiten

"Wege finden in einer Welt voller Veränderungen" - so lautete das Thema einer Tagung in Zusammenarbeit mit der Ev. Akademie Meißen. Sie fand im Oktober 2018 statt. Hier finden Sie zwei Berichte und ganz am Ende der Seite können Sie den Vortrag von Jens Röhling herunterladen.

 

 


Wege finden in einer Welt voller Veränderungen- mein Wochenende mit TZI

Von Ingrid Hirte

 

Als ich die Einladung einer Freundin für diese Wochenendtagung bekam, dachte ich, es wäre ganz nett, mir mal ein Wochenende im schönen Meißen zu gönnen und dabei etwas mehr über TZI zu erfahren. Ruth Cohn und ihre Gruppenregeln „Sei dein eigener Chairman“ und „Störungen haben Vorrang“ waren mir zwar ein Begriff, aber intensiver hatte ich mich mit TZI vorher noch nicht beschäftigt. Schon beim Ankommen in der Evangelischen Akademie Meißen hatte ich das Gefühl, in einer besonderen Umgebung zu sein, ein altes Kloster unweit des Domes mit Blick über die Stadt, in dem uns die Geschäftsführerin Kerstin Höster herzlich willkommen hieß.

Bei der Einführung in das Thema, ersten Erfahrungen zu meinen Absichten und dem, was damit in einer Gruppe passiert sowie dem Gespräch in der Kleingruppe über das Erlebte gab es einen ersten intensiven Austausch, der uns näher brachte. Etwas über uns erfuhren wir in einer Übung, in der wir uns entscheiden sollten, was wir am liebsten und am wenigsten gern an einem Fluss wären: Fisch, Boot, Baum, Wasserpflanze, Muschel oder Stein. Unsere Entscheidung hatte zu tun mit der Sehnsucht nach Neuem oder Dauer, nach Nähe oder Abgrenzung bzw. den Ängsten davor. Die intensiven Begegnungen mit den anderen Tagungsteilnehmern setzen sich am Abend beim Wein fort.

Bei der Morgenandacht in der Kapelle beindruckte mich besonders, wie wir gemeinsam durch einzelne Töne einen wunderbaren Klang in der Kapelle erschaffen konnten. Im Plenum ging es dann in einem Vortrag um das Leben in unruhigen Zeiten und was wir dabei tun können. Anschließend schauten wir nach innen und erforschten unsere tiefste Sehnsucht.

Der Nachmittag wurde gefüllt mit Werkstätten, in der von mir gewählten Werkstatt ging es darum, sich Rat und Mut in einem konkreten Vorhaben zu holen. Es war beeindruckend zu erleben, wie es mit Aufstellungen, Rollentausch und Unterstützung der Gruppe in kurzer Zeit gelang, für jeden einzelnen Teilnehmer zu einer Problemlösung beizutragen.

Am Abend sahen wir den Hoffnung machenden Film „Tomorrow“, der verschiedene ökologische und gesellschaftliche Projekte vorstellte, die dazu beitragen können, dass unsere Welt auch morgen noch lebenswert bleibt.

Der Inhalt des Sonntagvormittags war die Entdeckung unserer Wege in einer Welt voller Veränderungen. Welche Einflussmöglichkeiten habe ich selbst und wie gehe ich mit meinen eigenen Kräften um? Dabei wurde uns bewusst, dass wir nicht allmächtig sind, aber auch nicht ohnmächtig, dass jeder von uns etwas Gutes in die Welt tragen kann. In der Abschlussrunde war immer wieder zu hören, wie viel diese Tagung für jeden einzelnen von uns gebracht hat. Es hat das Gefühl von Verbundenheit gestärkt und Zuversicht vermittelt. Auch mich persönlich hat es sehr bereichert mit seinen Anregungen und den intensiven persönliche Gesprächen. Ein großer Dank gilt den Veranstaltern und Tagungsleitern: Dr. Claudia König, Jens G. Röhling, Ursula und Peter Vogel.

 

 


Alles im Fluss

Ein paar Spritzer von der TZI-Tagung in Meißen 26. – 28.10.2018

Von Peter Vogel

Wenn das Leben ein Fluss wäre – was möchten Sie darin am liebsten sein: Ein Stein, eine Muschel, ein Fisch oder ein Boot, eine Wasserpflanze oder doch lieber ein Baum am Ufer? Diese Wörter liegen verteilt im Raum. Zu welchem stellen Sie sich, warum? Und was bewegt die anderen, die auch dort stehen? - Dann die zweite Runde: Und was möchten Sie keinesfalls sein? Noch einmal entscheiden, hinstellen, erzählen und hören, was die anderen als Boote, Steine oder Muscheln erzählen und wie sie ihre Wahl begründen. – Mit dieser Anregung ziemlich am Beginn unserer Tagung kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz schnell und sehr persönlich ins Gespräch. Es gab ja kein Richtig oder Falsch, nur sollten sich alle entscheiden, ICH sagen! So wurden ganz spielerisch und leicht das erste TZI-Axiom und die „Chairperson“ in den Blick genommen.

Um dies alles sollte es an diesem Wochenende ja gehen. Vor allem aber, wie wir in unserer Welt mit ihren vielen schnellen Veränderungen ICH sagen und aufrecht gehen können. Mit einer Liedzeile von Hannes Wader war das Thema beschrieben: „‘… denn was neu ist, wird alt, und was gestern noch galt, stimmt schon heut oder morgen nicht mehr‘ - Wege finden in einer Welt voller Veränderungen“ - Über 40 Personen, darunter viele Jüngere, hatten sich dazu in Meißen angemeldet.

Seit 2005 lädt das Ruth Cohn Institut Berlin/Deutschland-Ost zusammen mit der Evangelischen Akademie Meißen regelmäßig zu gemeinsamen Tagungen ein. Spannend waren die Themen immer: „Diversity. Umgang mit Vielfalt“, „Lust auf Leiten“, „Basta oder langer Atem: Entscheiden“ oder zuletzt „NEIN und JA. Sich abgrenzen und in Beziehung bleiben.“ Immer ging es um Probleme im Grenzbereich von Menschen und Gesellschaft. Die Tagungen hatten wir stets nach TZI geplant und geleitet. Aber diesmal wollten wir TZI auch zum Thema machen, und so war das Wochenende zugleich ganz offiziell eine Einführung in die TZI. Das hat viele gelockt, und neben manchem Wiedersehen mit TZI-Bekannten gab es am Ende neue TZI-Interessierte.

„Wege finden in einer Welt voller Veränderungen“ – am Sonnabendvormittag öffnete Jens Röhling mit einem fulminanten Vortrag den Horizont des Themas. Von der Sterbehilfe bis zur Digitalisierung reichten die Beispiele und Überlegungen. Sie zeigten, wie das Menschenbild der TZI mit den Axiomen und Postulaten bei der Suche nach eigenen Wegen hilft. Freilich - dafür müssen wir auch immer wieder uns selber fragen, was wir wollen, was ICH will! Die Chairperson sagt: „Schau nach innen, schau nach außen…!“ – Claudia König leitete dazu eine sensible Paar-Übung an, in der mehrmals die Frage gestellt wird: „Was ist deine tiefste Sehnsucht?“ Klingt ganz einfach, fast banal. Doch wir alle spürten, in welche Tiefen dieses Fragen führte – und was es heißt, wirklich nach innen zu schauen!

Am Sonnabendnachmittag hatten alle die Qual der Wahl: in vier Werkstätten konnten einzelne Aspekte des Themas weiter verfolgt und bearbeitet werden. Jens Röhling informierte und diskutierte in seiner Gruppe über „Digitalisierung, Datenkraken und das Schicksal der Demokratie. Wie nehmen wir unsere Verantwortung wahr?“ In der Werkstatt mit Claudia König wurden Lösungen beziehungsweise mögliche Schritte für schwierige Situationen und ganz konkrete Vorhaben erarbeitet. In meiner Gruppe verschafften wir uns einen Überblick über wichtige Elemente der TZI. Ungewöhnlich die Mal-Werkstatt von Ursula Vogel. Hier gestalteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an großen Malständern mit Farben und Formen, Pinseln, Spachteln oder Fingern das Thema „Meine Wege finden in Veränderungen“. Spontan gab es am Abend eine Vernissage (großartig - das Haus spendierte dazu den Sekt!), auf der die entstandenen Bilder bestaunt und bewundert wurden: Jedes ein Geheimnis – und eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema!

Wie können wir verhindern, dass wir als Gruppe an diesem Wochenende bei der Klage über Weltprobleme stecken bleiben? Lange hatten wir diese Frage bei der Vorbereitung bedacht. Der Film „Tomorrow“ passte dann gut am Abend. Die dort vorgestellten Aufbrüche und Initiativen weltweit hinterließen eine fröhliche Hoffnung, dass unsere Welt noch zu retten ist und wir dafür etwas tun können.

Umso dringender war dann am Sonntagvormittag die Frage: „Wie lebe ich, was mir wichtig ist, in einer Welt, in der anderes wichtig scheint?“ Mich mit meinen Ressourcen und Grenzen in den Blick zu nehmen und meinen Einflussbereich realistisch einzuschätzen, ihn gegebenenfalls erweitern zu können, war Ausgangspunkt in Einzelarbeit. Zwei Sätze von Ruth Cohn gab es dann als Anregung mit in die Gruppengespräche: „Was mache ich mit mir, wenn der andere nicht so ist, wie ich ihn haben will?“ und „Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig. Ich bin teilmächtig“. Die Stille und die Konzentration im Raum zeigten, wie intensiv und wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Thema vor Abschluss der Tagung noch war.

Wir hatten miteinander ein gutes, sinnvolles TZI-Wochenende. Das sagte auch Frau Hörster, die Geschäftsführerin der Akademie und engagierte Teilnehmerin an diesem Seminar. Und es soll weitere gemeinsame Tagungen geben!

 


 

Leben in unruhigen Zeiten – und wie die TZI dazu hilft

Mitmachen – Gestalten – Stören – sich Raushalten?

Klicken Sie auf den Link, um den Impulsvortrag von Jens P. Röhling herunterzuladen:

Zurück