News

Leben in Würde: spürbar – kostbar – schützenswert

Eine Tagung in Zusammenarbeit mit der Ev. Akademie in Meißen vom 8.-10.11.19

Hier finden Sie zwei Erfahrungsberichte von der Tagung. Am Ende des Artikels finden Sie einen Link zum Download eines Vortrages von Jens G. Röhling.

 


 

Eindrücke von Peter Vogel

 Etwa 50 Personen hatten sich angemeldet. Wir kannten nur wenige davon. Was erwarteten sie an diesem Wochenende mit dem 9. November, dem Tag, der so schrecklich und schön mit der deutschen Geschichte verbunden ist? Werden die Themen für die vier Werkstätten am Sonnabendnachmittag von ihnen angenommen? Elke Siebert hatte sich für „Würde und Kommunikation“ entschieden, Jens G. Röhling das weite Feld „Würde und Arbeit“ im Blick, ich bot im Hinblick auf viele gebrochene Biografien nach 1989 das Thema an „Mit verletzter Würde leben“, und Ursula Vogel lud wieder zu einer Malwerkstatt ein „Meine Würde und ich“. Die ganze Tagung sollte zugleich neugierig machen auf TZI. Würde das gelingen?

Schon bei der Eröffnung am Freitagabend spürten wir: Ja, es scheint möglich! Verwundert aber auch mit Neugier und Lust ließen sich Junge und Ältere auf unsere Planung ein, diskutierten Zitate zur Würde wie zum Beispiel „Wer sich zum Wurm macht, muss sich nicht wundern, wenn er mit Füßen getreten wird“ oder „Die Würde des Menschen ist unfassbar“. Oder spürten im großen Propsteisaal, wie es sich anfühlt, würdig oder unwürdig zu stehen, zu gehen oder einander zu begegnen.

Was dabei an Fragen und Einsichten aufkam, wurde unter Elke Sieberts Regie notiert und sichtbar gemacht: Was ist denn „eigentlich“ Würde? Woher habe ich sie? Kann ich sie verlieren? Und wie helfe ich anderen, ihre Würde zu leben? Jens Röhling sollte dies alles am nächsten Tag in seinem Vortrag aufgreifen. Lest selber, wie ihm dieses Kunststück gelang und was er am Sonnabendvormittag gesagt hat, freundlich moderiert von Elke, unterbrochen von „Murmelgruppen“ (vermutlich eine Spezialität der TZI-Methodik!).

Dann der nächste Schritt: Wird es gelingen, das Gehörte vom Verstand in den Körper zu bringen? Davon erzählt Evita eindrücklich in ihrem Tagungsrückblick. Am Nachmittag waren alle vier Werkstätten gut besetzt. Die Entscheidung war manchen sehr schwer gefallen. Ja, die Chairperson!

In meiner Werkstatt ging es um Verbitterung, um forgiveness psychology und Erkenntnisse aus der Weisheitsforschung. Danach war eine allgemeine Erschöpfung zu spüren: Wir hatten an diesem Tag viel gearbeitet, auch mit unserer Seele. Durch die Begegnungen in den verschiedenen Gruppen und durch die intensiven Paarübungen am Vormittag war in kurzer Zeit sehr viel Vertrauen gewachsen. Der Film am Abend konnte entlasten und Ruhe geben. Sehr sensibel erzählte er vom würdevollen Umgang eines alten Lehrers mit seinen Schülerinnen und Schülern in einer kleinen französischen Dorfschule hoch oben in den Bergen. Ein Dokumentarfilm darüber, wie Würde gegeben und gelebt werden kann. Elke hatte damit für diesen Abend eine gute Wahl getroffen.

Spätabends, bei unserer Planung für den Sonntagvormittag war klar, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jetzt an ganz unterschiedlichen Stellen angeregt sind und weiterdenken wollen. Da gibt es kein gemeinsames Thema für alle. So boten wir drei Arbeitsgruppen an: Würde aufspüren, eine Fallbesprechung mit Elke; mit Jens der Würde in seinem Vortrag noch einmal nachdenken. Und ich wollte bewusst machen, warum bei unserer Tagung mit TZI manches anders war als bei vielen Bildungsveranstaltungen sonst, und was dies mit unserer Würde zu tun hat! Ein älterer Teilnehmer sagte am Schluss: „TZI. Ich bedaure, dass ich davon nicht schon eher etwas gehört habe!“

 


 

Erfahrungsbericht der Teilnehmerin Evita

ie Wochenendtagung „Leben in Würde: Spürbar – Kostbar – Schützenswert“ fand eingebettet in der schönen historischen Altstadt in Meißen bei Dresden statt. Ich habe mich noch spontan 2 Tage vor Beginn angemeldet und es war genau das Richtige für mich, sich innerhalb einer Gruppe mit einem so interessanten Thema bei typischem Novemberwetter auseinanderzusetzen.

Unsere eigene Würde ist nach wie vor in allen Lebensbereichen und Situationen mit uns verbunden, auch wenn dieser Persönlichkeitsanteil uns (meistens) nicht bewusst ist und trotz unserer demokratischen Gesellschaftsverhältnisse im persönlichen Miteinander, als auch im öffentlichen Leben oft verletzt wird. Wir waren knapp 50 TeilnehmerInnen mit einem großen Altersspektrum und wurden während der drei Tage von drei interessanten SeminarleiterInnen durch die Tagungsinhalte geführt. Dabei wurde mir bewusst, dass unsere Menschenwürde nicht nur unantastbar (Grundgesetz) ist, sondern das Thema in all seinen Facetten sehr komplex und somit „fast“ un-fass-bar ist.

Besonders inspiriert haben mich die großen Praxisanteile. Körperlich spürbar und somit bewusst, wurde mir die eigene Würde bei einer praktischen Übung im großen Seminarraum, in dem wir uns zu zweit zusammenfanden für ein „Rollenspiel“. Hierbei verkörperte meine Partnerin sich selbst und ich war ihre Würde. Anschließend tauschten wir und sie stellte somit meine Würde dar. Währendessen durchliefen wir verschiedene Phasen, wir waren uns der eigenen Würde bewusst und erhaben, dann verloren wir sie in der Menschenmenge und suchten nach ihr und zum Schluss fanden wir sie wieder. Als sich z. B.„meine Würde“ freundschaftlich bei mir einhenkelte und wir zusammen ein Stück gingen und sie danach direkt hinter mir her lief und ihre Hand zwischen meinen Schulterblätter legte und ich dabei weiter aufrecht schritt, fühlte ich mich würdevoll und geschätzt. Anschließend besprachen wir dieses Rollenspiel in den Zweiergruppen und führten danach ein Interview zur eigenen Würde in verschiedenen Lebensituationen durch. Wo in deinem Leben wurde deine Würde geachtet und wo verletzt? Wie fühlte sich jeweils dabei dein Körper an? Wie konnte deine Würde wieder hergestellt werden?

Ebenfalls interessant waren die Gespräche mit den anderen SeminarteilnehmerInnen in den Pausen sowie am Abend. Dadurch wurde u. a. das Tagungsthema noch auf einer anderen Ebene erörtert sowie vertieft. Aus diesem Wochenendseminar nehme ich ein neues erweitertes Bewusstsein sowie Gespür für dieses Thema mit. ICH BIN ein würdevoller Mensch im Angesicht all meiner verschiedenen Lebensphasen. Und vor allem in schwierigen Zeiten ist es wichtig, dieses Bewusstsein in sich zu tragen und wenn nötig, (immer wieder) anzuzünden und mit Leben zu füllen.

Die Tagung wurde seiner Überschrift mehr als gerecht. Denn unsere Würde ist spürbar, kostbar sowie schützenswert!

 


 

Zurück